Plus für die Schönheitsbranche
Branchenumsatz steigt nach IKW-Berechnungen weiter – zumindest im Inland
Die Schönheitsbranche verzeichnet in diesem Jahr erneut ein stabiles Wachstum: Nach Berechnungen des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel (IKW) stieg der Branchenumsatz um 2,9 Prozent auf 35,6 Milliarden Euro. Der Inlandsumsatz wuchs sogar um 5,5 Prozent auf 23,9 Milliarden Euro, während der Export leicht sank. Insgesamt legte die Branche seit 2020 jährlich durchschnittlich 4,4 Prozent zu und erweist sich in der schwachen Wirtschaftslage als krisenfest. Produkte wie Haut- und Haarpflege, Zahnpasta sowie Reinigungs- und Waschmittel seien fest im Alltag der Menschen verankert. „Schönheits- und Haushaltspflege geben Struktur und stärken das Wohlbefinden und Selbstwertgefühl, gerade in unsicheren Zeiten“, sagte die IKW-Vorsitzende Gabriele Hässig bei der digitalen IKW- Wirtschaftspressekonferenz Anfang Dezember.
Starke Außenwirkung, schwacher Standort
Am stärksten wachsen nach den IKW-Zahlen Produkte für das äußere Erscheinungsbild. Haut- und Gesichtspflege legen um elf Prozent zu, Haarpflegemittel um acht Prozent. Kosmetika werden am häufigsten in Drogerien gekauft, während der Onlinehandel auf mittlerweile sieben Prozent Anteil wächst. Allerdings wirke sich neben hohen Energie- und Personalkosten auch die geopolitische Lage negativ auf die Absatzmärkte aus. Eine vom IKW beauftragte Roland-Berger-Studie zeigt zudem, dass 90 Prozent der Unternehmen die Bürokratie in Deutschland als große Belastung sehen, 75 Prozent halten den Standort für wenig attraktiv. „Die Bundesregierung muss sich auf EU-Ebene dafür einsetzen, unverhältnismäßige Belastungen zu korrigieren, Ethanol als Inhaltsstoff zuzulassen und Vereinfachungen bei der Kosmetikverordnung zu unterstützen“, betont IKW-Geschäftsführer Thomas Keiser. Zur Branche gehören in Deutschland mehr als 1.000 kleine und mittelständische Firmen und etwa 60 Großunternehmen mit rund 178.000 Jobs. Sie würden wichtige Innovationen vorantreiben, etwa bei veganen Formulierungen, ressourcenschonenden Rezepturen und kreislauffähigen Verpackungslösungen.
Emotion statt Pflichtgefühl
Eine Untersuchung des Marktforschungsunternehmens YouGov im Auftrag des IKW zeigte, dass immer mehr Menschen das Gefühl haben, zu wenig Anerkennung zu erhalten. Zugleich sinkt das Umweltbewusstsein, während immer mehr Befragte sagen, sie wollten beim Konsum nicht permanent Schuldgefühle haben. Für Marken bedeutet dies laut YouGov, stärker auf emotionale Bindungen zu setzen. „Marken müssen die verdinglichten Beziehungen wieder versinnlichen und die Marke zum Klingen bringen“, betonte Senior Insights Director Robert Kecskes bei der IKW-Wirtschaftspressekonferenz. Beispiele wie die Kooperation von dm und Sheglam zeigten, wie groß die Sehnsucht der Menschen nach neuen Erlebnissen sei. Auch die Trends zu Lifestyle und Nachhaltigkeit in Körperpflege und Kosmetik legten weiter zu. Der empfundene Verlust von Selbstwirksamkeit verstärke das Streben nach Selbstoptimierung und Gesundheit. Die Zukunft liege nicht in einer rückwärtsgewandten Verklärung der alten Zeit, so Kecskes, sondern in einer vorwärts gerichteten Zukunftsvision.
Quelle: IKW