MEET THE START-UP: matterr
Verpackungen entwickeln sich in der Kosmetikindustrie zunehmend vom reinen Designelement zu einem strategischen Rohstoffthema. Nachhaltigkeit, regulatorische Anforderungen und stabile Lieferketten rücken stärker in den Fokus. Genau hier setzt das Start-up matterr aus Braunschweig an, das seine Technologie auf der CosmeticBusiness 2026 präsentiert.
PET-Recycling neu gedacht für echte Kreisläufe in der Kosmetikverpackung
Was treibt Gründerinnen und Gründer an, neue Wege in der Kosmetikindustrie zu gehen? In der Start-up Area der CosmeticBusiness 2026 zeigen junge Unternehmen, wie Innovation, Unternehmergeist und Branchenverständnis zusammenkommen. Wir haben mit den Köpfen hinter den Start-ups gesprochen – über persönliche Motivation, strategische Marktchancen und darüber, warum sich ein Besuch an ihrem Stand besonders lohnt.
Technologie aus der Forschung, mit dem Ziel industrieller Kreisläufe
Die Firma matterr wurde mit dem Ziel gegründet, wertvolle Ressourcen aus Abfällen zurückzugewinnen. Ausgangspunkt war eine Technologieentwicklung an der TU Braunschweig, die sich mit der Frage beschäftigte, wie PET wirtschaftlich und in hoher Qualität recycelt werden kann. Vor drei Jahren übernahmen private Investoren – darunter die Cool Down Earth Foundation – das Projekt, um die Technologie industriell zu skalieren und PET in einen echten Kreislauf zu überführen.
Verpackung wird zum strategischen Rohstoffthema
In der Kosmetikindustrie lässt sich eine klare strategische Neuausrichtung beobachten: hin zu belastbarer Nachhaltigkeit, regulatorischer Sicherheit und resilienten Lieferketten.
Verpackung spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie beeinflusst nicht nur die Markenwahrnehmung, sondern zunehmend auch Compliance-Anforderungen, Kostenstrukturen und die langfristige Positionierung von Unternehmen.
Herausforderung: PET-Verpackungen sind oft nicht wirklich kreislauffähig
Ein großer Teil der PET-Verpackungen in der Kosmetikindustrie sind heute nur eingeschränkt recyclingfähig. Besonders mehrschichtige oder farbige Materialien stellen eine Herausforderung dar.
Beim mechanischen Recycling kommt es häufig zu Qualitätsverlusten und zur Anreicherung von Schadstoffen. Das Material ist somit für kontaktsensitive Anwendungen oft ungeeignet. Zudem bleibt durch den Einsatz von Virgin PET die Abhängigkeit von fossilem Rohöl bestehen.
Lösung: Depolymerisation als technologische Grundlage
matterr verfolgt einen anderen Ansatz: die Zerlegung von PET durch Depolymerisation in seine ursprünglichen Monomere. Daraus entstehen Rohstoffe in Virgin-Qualität, die fossile Ressourcen vollständig ersetzen können.
Auch komplexe oder bislang schwer recycelbare Verpackungen lassen sich so industriell wieder in den Materialkreislauf zurückführen. Damit schaffen sie die technologische Basis für echte, industrielle Kreisläufe.
Mit ihrer Lösung bieten sie den Akteuren entlang der gesamten Lieferkette einen Mehrwert:
Für Marken:
PET Virgin-Qualität, CO₂-Reduktion und geringere Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen gehen mit einer größeren Designfreiheit einher. Frühzeitige Partner können sich zudem einen First-Mover-Vorteil in einem künftig knapper werdenden Rezyklat-Markt sichern und ihr Circular Storytelling glaubwürdig stärken.
Für Hersteller:
Das Material ist „Drop-in“-fähig und kann ohne Anpassung bestehender Anlagen verarbeitet werden. Zusätzliche Investitionen entlang der Lieferkette sind somit nicht erforderlich.
Für Zulieferer:
Es entsteht eine planbare Materialverfügbarkeit aus dem Kreislauf, die sich in bestehende Polyesterstrukturen integrieren lässt und eine schrittweise Substitution fossiler Rohstoffe ermöglicht.
Besonders relevant ist der Ansatz für Premium- und Qualitätsmarken mit hohen Anforderungen an Verpackungsqualität sowie für Unternehmen, die einen hohen Nachhaltigkeitsanspruch haben oder Rezyklatquoten erfüllen müssen.
Auf dem Weg zur industriellen Skalierung
Derzeit bereitet matterr den Bau einer kleinindustriellen Depolymerisations-Anlage im Chemiepark Knappsack in Hürth vor. Der Produktionsstart ist für 2028 geplant, mit einer Kapazität von rund 10.000 Tonnen Materialinput pro Jahr.
Langfristig streben wir eine industrielle Skalierung mit Preisparität und Qualität auf Virgin-Niveau an mit dem Ziel, Polyester zu einer unendlichen Ressource zu machen.
Zirkularität als Zukunftsmodell der Branche
Die konsequente Integration von Zirkularität in Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten wird eine der prägendsten Entwicklungen für die Kosmetikindustrie in den kommenden Jahren sein.
Innovation, Design, Kosten und Recyclingfähigkeit müssen künftig gemeinsam gedacht werden. Technologien, die auch komplexe Verpackungen hochwertig recycelbar machen, können dabei zu einem entscheidenden Hebel werden, um Wachstum, Glaubwürdigkeit und Wirtschaftlichkeit miteinander zu verbinden.
matterr auf der CosmeticBusiness 2026
Wer mehr darüber erfahren möchte, wie neue Recyclingtechnologien zur Schließung von Materialkreisläufen beitragen können, hat auf der CosmeticBusiness 2026 Gelegenheit zum direkten Austausch. matterr stellt in der Start-up Area aus und zeigt, wie innovative Materialtechnologien dazu beitragen können, PET-Verpackungen langfristig in echte Kreisläufe zu überführen.