Bakterielle Zellulose für die Kosmetik
Bioweg baut Produktionsanlage für Mikroplastikersatz an Zuckerstandort
Das deutsche Biotech-Unternehmen Bioweg hat den Baustart für eine große Produktionsanlage für Bakterienzellulose angekündigt. Die Anlage in Elsdorf (Nordrhein-Westfalen) solle künftig jedes Jahr bis zu 10.000 Tonnen Zellulose produzieren und sei die größte Anlage ihrer Art in Europa, berichtet das Unternehmen. Die Bauarbeiten sollen noch vor Ende des Jahres beginnen. Der Produktionsstart im industriellen Maßstab ist für 2028 geplant. Bioweg hat sich auf leistungsfähige, biologisch abbaubare Bakterienzellulose als Ersatz für fossile Polymere und absichtlich zugesetzte Mikroplastikpartikel spezialisiert. Bisher werde das Material in Europa laut dem Unternehmen fast ausschließlich importiert.
Ersatz für Mikroplastik
Die vollautomatisierte Anlage soll in einem der größten Zuckerindustriekomplexe Deutschlands errichtet werden und Melasse sowie andere Nebenströme als Fermentationsrohstoffe verwerten. Durch die günstige Anbindung würden Emissionen und Betriebskosten reduziert und die Versorgung gesichert. Der Bioweg-Pilotstandort in Quakenbrück soll während der Bauphase in Betrieb bleiben und dient zugleich als Automatisierungsvorlage für die größere Anlage. Die Pilotanlage wird derzeit von rund 100 auf mindestens 200 Tonnen Jahreskapazität ausgebaut und vollautomatisiert. Absichtlich zugesetzte fossile Mikroplastikpartikel müssen in der EU schrittweise aus Kosmetika, Reinigungsmitteln und anderen Produkten entfernt werden. Daher würden Ersatzstoffe in industriellen Mengen benötigt. In Kosmetik und Körperpflege könnten die Inhaltsstoffe auf Basis bakterieller Zellulose laut Bioweg unter anderem Textur und Fließeigenschaften verbessern sowie filmbildende und sensorische Effekte erzielen.
Finanzierung mit EU-Fördermitteln
„Die Finanzierung einer weltweit einzigartigen Anlage ist der schwierigste Schritt in der industriellen Biotechnologie, und genau diesen Schritt gehen wir jetzt“, sagt Prateek Mahalwar, Mitbegründer und CEO von Bioweg. Die Bundesregierung und die EU würden dabei das Risiko gemeinsam tragen. Bioweg selbst hat nach eigenen Angaben seit einer Series-A-Finanzierung im vorigen Jahr von 16 Millionen Euro weitere 14 Millionen Euro eingeworben. Dazu gehörten auch mehr als zehn Millionen Euro EU-Mittel im Rahmen des Förderwettbewerbs „Produktives.NRW“. Insgesamt belaufe sich die Finanzierung inzwischen auf 35 Millionen Euro.
Quelle: Bioweg