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    Traditionelle Formen und Farben neu interpretiert

    06.07.17 | 08:00 Uhr

    Trendanalyst Niels Holger Wien stellt Zeitgeist sowie Farb- und Materialentwicklungen für 2018/2019 vor

    In seinem Fachvortrag auf der CosmeticBusiness 2017 in München blickte Niels Holger Wien viele Monate in die Zukunft und stellte Farb- und Materialwelten für die Fashion-Saison 2018/2019 vor. Der Trendanalyst und Farbexperte ist unter anderem Präsident des Netzwerkes Intercolor sowie Leiter des Trendboards beim Deutschen Mode Institut (DMI). Er lässt sich von aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen, Motiven, Ideen und Impulsen inspirieren und verdichtet diese zu Zeitgeist-Positionen, die die Textil- und Modebranche sowie die Kosmetikindustrie prägen.

    „Everything possible“ – mit diesem Zeitgeist startete Niels Holger Wien seinen Ausblick. Für uns sei in der heutigen Zeit alles möglich. Gleichzeitig finde ein Politikwandel statt, den der Trendexperte als „postfaktisch“ bezeichnete. Damit einhergehend ändert sich unsere Sicht auf Denken und Handeln. „Es gibt plötzlich Dinge, die nicht wahr sein müssen, um real in der Wirklichkeit zu existieren“, erklärte er. Die Grenzen zwischen Realität, Virtualität, Echtheit und Faktizität verschwimmen zunehmend. Gibt es die eine Wahrheit oder können wir uns unsere Wahrheit vielleicht sogar aussuchen? Eine Frage, die jeder für sich selbst beantworten sollte, so der Experte.

    Niels Holger Wien zufolge hätten die Menschen in dieser postfaktischen Zeit vermehrt Probleme mit dem eigenen Selbst. Durch die Sozialen Medien nehme der Druck auf Körperlichkeit und der Zwang, Idealen oder Idolen entsprechen zu müssen, zu. Eine Entwicklung, die nicht von Dauer sein kann. Schönheit müsse hinterfragt und für das 21. Jahrhundert neu definiert werden, forderte er. Die Entwicklung könne bis hin zu einer Utopie weg vom Äußerem gehen: als „Bodytopia“ beschrieb der Trendexperte diesen Zeitgeist. Nach zwei Jahrzehnten Perfektion und Schönheit entstehen nun also neue Ideen. Wie der Trendanalyst feststellte, wissen vor allem jungen Menschen aus der Modebranche, dass es irgendwann nicht mehr besser, teurer und schöner werden kann. Es gehe nicht mehr nur um Mengen und Qualität, sondern um Inhalte und das, was in den Körpern steckt.

    Wenn man an die Konsumentengruppen der Zukunft denkt, dann spielen auch Begriffe wie Post-Post-Feminismus, also die Wirklichkeit aus der Sicht von Frauen und jenseits von Idealen, sowie Gender-Fluidity, das Verschwimmen von Geschlechterformen, eine große Rolle, erläuterte Niels Holger Wien. Die grenzenlosen Möglichkeiten zum Selbstausdruck, Anti-Fit-Mode und das Dekonstruieren bisheriger Kleidungsformen seien außerdem Themen, die den Zeitgeist prägen und auf den Laufstegen bereits sehr präsent sind. Damit gehe das Neudenken von Welt und Körper – „Rethinking the world and body“ – einher. Hier zieht der Experte die Verbindung zum Bauhaus, das 2019 sein 100-jähriges Bestehen feiert und die Dinge schon immer aus einem anderen Blickwinkel betrachtet hat. Zusammenfassend geht es in der Saison 2018/2019 also darum, das Unterwartete zu denken: „Unexpect the expected“ nannte der Trendanalyst diesen Zeitgeist.

    Als Farb- und Materialwelten lassen sich für 2018/2019 Niels Holger Wien zufolge „Nightwalking“, „Northern Poetry“, „Remix Tradition“ sowie „Sensible Vanguard“ ausmachen.

    Nightwalking

    Hinter dem Farbthema „Nightwalking“ verbirgt sich ganz wörtlich der Spaziergang bei mystischem Nachtlicht, das Dinge, Formen und Oberflächen anders erscheinen lässt, als sie eigentlich sind. Inspiriert ist Nightwalking vom Schein des Mondes und dem blauen Schimmern der nächtlichen Dunkelheit. Die Farbpalette reicht von tiefdunklem Braun über fast schwarzes Violett, Smaragd- und Tannengrün sowie helles Gelb bis hin zu kühlem Hell- und Dunkelblau. Ein Spiel mit Sättigung und Pigmentdichte macht die Darstellung besonders tiefer und dunkler Farbtöne möglich, die von samtener und schimmernder Materialität profitieren. Jacquard-Muster und Stickereien zeigen sich opulent und leuchten aus dunklen Untergründen hervor. Surrealer Glanz entsteht aus der Kombination von Blau- und Silbertönen und erinnert an das Leuchten von Sternenstaub.

    Northern Poetry

    Bei „Northern Poetry“ gehe es um eine Poesie, die mit der Kühle und Stille der nördlichen Regionen zusammenhängt, erläuterte der Trendanalyst. Naturmaterialien wie vulkanisches Gestein werden neu interpretiert. Die Farbpalette spielt mit Neutralität und bleibt trotzdem farbig. Geprägt ist sie von den Tönen einer Landschaft, einem blauen Flusstal, Beige und Braun sowie dem Grüngelb vom Moss oder Flechten. Hinzu kommen Farben, die aus dem Neutralen ausbrechen und sich in Bereich um Pastellrosa und Blau bewegen. Texturen und Strukturen machen die Farben lebendig, schaffen eine neue Realität und stellen eine Balance zum Digitalen dar. Schattierungen, die sich aus rauen und unebenen Oberflächen ergeben, spiegeln sich in der Mode – beispielsweise in Demin – wider, das mit gradierendem Flock bedruckt wurde. Hinzu kommen weiche und sanfte Reliefs und irisierende Effekte.

    Remix Tradition

    Satt, laut und kontrastreich sind die beherrschenden Attribute des Trendthemas „Remix Tradition“. Herbstliche Farben wie Rot, leuchtendes Orange, Braun, Bronze und Karamell stehen im Kontrast zu kühlem Blau oder Pink und werden über Strukturen lebendig. Sie bilden die Grundlage für Texturen, die Landschaften darstellen. Materialien wie Leder oder Keramik in warmen Naturfarben passen gut in diese Farblichkeit. Natur und florale Darstellungen aus aller Welt werden neu interpretiert und leuchten im Herbst/Winter 2018 in orangenen und pinken Farben. Auf den Laufstegen sieht man Karos und Muster sowie Texturen aus unterschiedlichen Richtungen. Traditionelle Farben und Pattern werden mit leuchtenden Tönen und modernen Formen kombiniert.

    Sensible Vanguard

    Das letzte Trendthema schlägt eine Brücke zum Bauhaus-Jubiläum im Jahr 2019 und nennt sich „Sensible Vanguard“. Dabei geht es nicht nur um die für Bauhaus-typische Reduktion, sondern um eine neue Sinnlichkeit und Empathie. Der Trend ist von neuem Materialismus bestimmt, der Rohstoffe und Naturprodukte wie Holz, Eisen oder Beton so benutzt wie sie sind, diese mit intensiven Kolorits aus der Bauhausgrafik kombiniert und ihnen damit Leben verleiht. Der Trendexperte bezeichnete diese Kombination auch als sanften Brutalismus. Dabei liegt der Kontrast nicht nur in den Farben, sondern auch im Material selbst. Die Farbpalette umfasst expressive und intensive Töne, die abstrakte und bewegte Muster darstellen, ebenso wie erdige Töne. Klassik und klassische Farben werden mit Gelb, Rot und Blau neu gedacht und unterwandert und Kontraste werden verschärft. „Bauhaus in Bewegung versetzt“, so umschrieb Niels Holger Wien dieses Thema.

    Quelle: Niels Holger Wien, Trendanalyst, in seinem Vortrag „PROSPECTS 2018 BEYOND –Zeitgeist I Farben I Materialien“ am 21. Juni 2017 im Fachprogramm der CosmeticBusiness

    Foto: Leipziger Messe GmbH / Jens Schlüter

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