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    Erste salicylatfreie biozertifizierte Pflegeserie

    21.11.14 | 08:31 Uhr

    Interview mit Ulrike Ischler, Gründerin und Geschäftsführerin der GreenSmile GmbH

    Vom Schreibtisch in der Garage bis zur Börsennotierung – Start-ups vor allem in der IT-Branche haben in der Vergangenheit erstaunliche Entwicklungen hingelegt. Dennoch beklagen im jüngsten „Austrian Startup Report 2013“ 73% der befragten Gründer, dass die Gesellschaft den Wert von Start-ups nicht anerkenne. Laut der Studie sind 88% der Befragten männlich und im Durchschnitt 32,3 Jahre alt. Ulrike Ischler fällt dabei doppelt aus den Rahmen. Sie gehört zu den 12% weiblichen Gründerinnen und verfügt über langjährige Berufserfahrung in der Pharmaindustrie und in Unternehmensberatungen. Im Sommer 2014 ging ihr Unternehmen GreenSmile mit der Einführung der Bio-Kosmetiklinie „mysalifree“ in Österreich an den Start. CosmeticBusiness sprach aus diesem Anlass mit Ulrike Ischler über Motive, Mut und Möglichkeiten in der Kosmetikbranche.

    1. Frau Ischler, das Sicherheitsdenken gehört ebenso zur österreichischen wie der deutschen Gesellschaftskultur. Warum verlässt eine erfolgreiche Managerin ihren „sicheren“ Posten in der Pharmaindustrie und geht das Risiko der Selbstständigkeit ein?

    Die Pharmaindustrie liegt schon etwas zurück, aber ich habe immer in dem Umfeld gearbeitet – in Deutschland und Österreich. Bis 2012 war ich geschäftsführende Gesellschafterin eines Consulting-Unternehmens, welches auf die Führungskräftebesetzung in Life Sciences spezialisiert war. Ich hatte die erste Auslandsniederlassung der deutschen Mutter in Österreich aufgebaut. Der Job war spannend. Was mir aber weniger gefiel: Der Haupteigentümer wollte trotz unseres großen Erfolgs einen für mich nicht nachvollziehbaren Weg einschlagen, den ich mit meiner Minderheitsbeteiligung auch nicht beeinflussen konnte. Dazu kamen gesundheitliche Probleme. Die Diagnose Fibromyalgie und diverse Intoleranzen gaben letztlich den Ausschlag, meine Tätigkeit zu beenden.

    In den USA fand ich eine Therapie, die mir gut half, aber unter anderem eine totale Abstinenz von Salicylaten in Kosmetik verlangte – so entstand die Idee zur Entwicklung von mysalifree. Ich wollte in Zukunft (wieder) selbstständig arbeiten, mir meine Zeit einteilen können und vor allem meine eigenen Vorstellungen umsetzen. Ich baue gerne auf und mache gerne Neues – da bin ich nicht so die typische Sicherheitsdenkerin. Erfahrung hatte ich genug und im Laufe der Recherche wurde mir klar, dass meine Pflegelinie eine Lösung für allergiegeplagte Menschen und solche, die bestimmte Inhaltsstoffe meiden müssen, sein könnte. In unseren Breiten betrifft das etwa 30% der Bevölkerung. In den USA liegt dieser Prozentsatz schon bei rund 50%. Das sind doch alarmierende Zahlen!

    2. Von der Idee zur Umsetzung ist auch für eine erfahrene Managerin ein weiter Weg. In welchen Schritten sind Sie vorgegangen und wie lange hat der Prozess bis zur Markteinführung Ihres Produktes gedauert?

    Erstmal habe ich gründlich recherchiert, ob es das nicht schon gab, was ich mir vorstellte. Und unglaublich, es existiert nur eine salicylatfreie Kosmetiklinie in USA, aber die ist nicht bio. Also begann ich mich in das Thema Salicylate einzuarbeiten. Was alles durfte in unseren Produkten nicht enthalten sein? Das war nicht einfach, es gab keine Liste mit salicylatfreien Inhaltsstoffen. Da musste ich viel Recherchearbeit investieren. Ätherische Öle enthalten Salicylate, sind also nicht geeignet. Wir wollten aber hochwertige Öle. Also entschieden wir uns für Reiskeimöl, welches für empfindliche, allergiegefährdete Menschen besonders geeignet ist, sowie für hochwertige Getreideöle und reine Fette und Wachse. Ganz wichtig: Es sollten keine Inhaltsstoffe enthalten sein, die in der Diskussion stehen.

    Ein weiterer wichtiger Schritt war das Finden des richtigen Lohnherstellers und der hochwertigen Bio-Inhaltsstoffe. Der Produzent musste auf Naturkosmetik spezialisiert sein. Zudem sollte er flexibel und willens sein, auch kleine Mengen herzustellen. Wert legten wir auch darauf, dass die Rohstofflieferanten biozertifiziert und möglichst persönlich bekannt waren.

    Wir wollten unbedingt in Österreich produzieren und den ehrlichen Weg gehen: Greenwashing kam für uns nicht in Frage! Daher die Biozertifizierung nach Österreichischem Lebensmittelbuch (ÖLMB). Das ist in Europa richtungsweisend und auf höchstem Standard. Dieser hohe Anspruch hat uns ein Jahr gekostet. Erst nachdem wir die Produktionsbedingungen geklärt hatten, haben wir die Basispflegeprodukte festgelegt, von denen wir Muster produzieren und testen ließen. Am Schluss des Prozesses standen der Test und die Besieglung der Endprodukte, die seit dem Sommer im Handel sind.

    Alles in allem vergingen von der Idee Ende 2012 bis zum Start im Juni 2014 knapp zwei Jahre.

    3. Die größte Hürde für die meisten Neugründer ist die Finanzierung. Wie sind Sie die Finanzierung Ihres Unternehmens angegangen?

    Ich habe den mir ausbezahlten Gesellschaftsanteil zu 100 % in das Projekt gesteckt und zusätzliches Eigenkapital investiert. Die beantragten Förderungen auf Landesebene wurden nicht gewährt und die Beantragung auf Bundesebene in Zusammenarbeit mit Beratern und Banken gestaltete sich so schwierig und zeitraubend, dass wir sie letztlich ad acta legten. Über die Wirtschaftskammer erhielten wir einen kleinen Zuschuss für Beratungsleistungen.

    Es wird einem Start-up alles andere als leicht gemacht. Ohne Eigenmittel ist es praktisch unmöglich, sich auf eigene Beine zu stellen. Natürlich ist ein solcher Start riskant. Aber ich glaube fest an das Potenzial unserer Idee und unserer Produkte. Und das sehr positive Feedback unserer Kunden auch seitens der Apotheken und Dermatologen gibt uns recht und stimmt optimistisch.

    4. In welchen Bereichen haben Sie sich externe Expertise eingekauft?

    Wir haben in vielen Bereichen eigene Erfahrung eingebracht, sonst wäre die finanzielle Realisierung schwierig gewesen. So konnten wir selber Businesspläne, Rezepturkonzepte, Strategie und Konzeption, Organisation, Marketing, Vertrieb etc. realisieren. Ich habe viele Monate an Texten, Vertriebsunterlagen und der Homepage gesessen, habe gerechnet und kalkuliert. Mein Mann hat die PR und vieles im Bereich Organisation übernommen, mein Sohn Fotografie und Social Media. Externe Unterstützung erhalten wir von unserem Rechts- und Steuerberater; Grafik und IT ist ausgelagert.

    Die Rezepturen wurden von uns vorgegeben. Der Hersteller hat daraus im Labor hochwertige, gut verträgliche Produkte entwickelt. Die finalen Produkte haben wir nochmals durch verschiedene Labors und Zertifizierungsstellen testen lassen. Heute helfen uns erfahrene Mitarbeiter bei der Ausweitung des Vertriebsnetzes.

    5. Mit welchen Partnern haben Sie die Rezeptur, Inhaltsstoffe, Abfüllung und die Verpackung realisiert?

    Die Rezeptur gehört natürlich uns. Die Umsetzung haben wir einem österreichischem Partner übergeben. Die Firma ist auf die Produktion von Naturkosmetik spezialisiert und verfügt über jahrzehntelange Erfahrung. Das Unternehmen übernimmt von der Herstellung über die Abfüllung bis zur Etikettierung und dem Transport die gesamte Produktionskette. Auch die Biozertifizierung erfolgt durch eine gesetzlich autorisierte Zertifizierungsstelle in Österreich.

    6. Worin unterscheidet sich das finale Produkt von bisherigen Kosmetika, die bereits auf dem Markt eingeführt wurden?

    Es gibt weltweit keine salicylatfreie biozertifizierte Pflegeserie. Die Kombination unserer USP macht mysalifree so einzigartig: ohne Gluten, ohne Duftstoffe, ohne Farbstoffe, ohne ätherische Öle und maximal verträglich. Damit bieten wir eine Lösung für irritierte, allergiegefährdete Haut und für Menschen, die aus diversen Gründen bestimmte Inhaltsstoffe meiden müssen. Ich bin selbst betroffen und stehe 100%ig hinter unseren Produkten – da geht nichts auf den Markt, was ich nicht selbst getestet habe, verwende und vertrage.

    7. Auf welche Marketingstrategien setzen sie beim Vertrieb Ihrer Kosmetiklinie „mysalifree“?

    Wir haben ein sehr hochwertiges, apothekennahes Produkt, das wir zu einem sehr fairen Preis anbieten. Denn die Biozertifizierung nach ÖLMB Codexkapitel A8 Biokosmetik und damit nach höchstem Standard ist sehr selten. Wir möchten Menschen, die aufgrund ihrer Intoleranzen oder anderer Erkrankungen bereits eingeschränkt sind, das Leben erleichtern. Sie sollen sich auf uns verlassen können. Ganz wichtig ist uns in diesem Zusammenhang, unsere Glaubwürdigkeit und Authentizität. Ich habe diese Pflegelinie aus eigener Betroffenheit entwickelt –natürlich muss ich damit auch Geld verdienen, aber nur zu meinen Bedingungen und die lauten: es kommt kein Produkt auf den Markt, hinter dem ich nicht stehen kann.

    Unsere Homepage haben wir mit viel Information rund um Biokosmetik ausgestattet – der Kunde soll hier nicht nur kaufen, sondern sich möglichst umfassend schlau machen können. Wir möchten organisch wachsen und erwarten von unseren Handelspartnern hohe Beratungskompetenz, damit ergibt sich eine natürliche Selektion der Vertriebswege.

    Wir arbeiten mit ausgewählten Apotheken und Naturkosmetikfachgeschäften zusammen und sind in Gesprächen mit mehreren spezialisierten Reformhäusern.

    Interessant sind auch spezielle Messen wie die Allergy+Free From Show im Januar in Berlin, die Naturkosmetikfachmesse Vivaness im Februar in Nürnberg (wo wir uns im Bereich Innovation präsentieren dürfen) oder die Sana, eine Biomesse in Bologna.

    Wir sehen viel Potenzial in unseren Produkten und möchten zu mehr Bewusstsein beim Thema Inhaltsstoffe in Kosmetik beitragen. Biokosmetik hilft der Haut, sich wieder selbst zu versorgen!

    8. Sind weitere Produktserien geplant? Sehen Sie weitere Potenziale in der Kosmetikbranche für Ihr Unternehmen?

    Wir möchten die Produktpalette ausweiten, aber übersichtlich halten. Gerne würde ich auch eine Basisausstattung an natürlicher dekorativer Kosmetik mit unseren Anforderungen anbieten können, aber das ist zurzeit noch nicht spruchreif.

    Vielen Dank für das Gespräch!

    Weitere Quelle: Austrian Startup Report 2013

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